Altes Handwerk? Sehr lebendig!
Vier ganz unterschiedliche Menschen aus Hessen zeigen uns, wie sie auf traditionelle Weise Neues erschaffen. Eines haben sie gemeinsam: die Liebe zu ihrem Handwerk und viele Ideen für seine Zukunft
© visit Frankfurt / Isabela Pacini
© Jan Bosch
© Odenwälder Kochkäserei
© Spessart Tourismus und Marketing GmbH
Frankfurt
Traditionelle Bembelkunst, neu gedacht
Florale Muster, Tropfen-Ornamente, die Frankfurter Skyline oder sogar das Eintracht-Frankfurt-Wappen: Wer das Apfelweinkontor in Sachsenhausen betritt, kommt an den außergewöhnlichen Bembeln von Dayanna Moya nicht vorbei. Stilsicher verwebt die Künstlerin traditionelle Bembelmalerei mit ihrer individuellen Handschrift.

Das Apfelweinkontor in der Schellgasse ist das älteste Haus Frankfurts © visitFrankfurt/Isabela Pacini
„Bembel zu bemalen, bedeutet für mich, Tradition in unserer modernen Welt eine bleibende Bedeutung zu verleihen. Und es bedeutet, Menschen Freude zu bereiten!“, erklärt die gebürtige Kolumbianerin, die einst zum Studium nach Hessen kam. Ihr Projekt Artbembel entstand eher zufällig — heute ist es eine echte Attraktion im Apfelweinkontor, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Josef betreibt.
Dayannas Empfehlung:
Ein Besuch in den traditionellen Apfelweinlokalen rund um das Brückenviertel, Alt-Sachsenhausen und die Schweizer Straße: „Ohne Apfelweinkultur gäbe es schließlich auch keine Bembel!“

Lahntal
Glockenklang für die ganze Welt
Jede Glocke, die die Manufaktur Rincker verlässt, ist ein handwerkliches Kunstwerk — und ein präzise gestimmtes Musikinstrument. Möglich macht dies das jahrhundertealte Wissen, das in der familiengeführten Glockengießerei bereits in der 14. Generation weitergegeben wird. Die Familienchronik reicht bis ins Jahr 1590 zurück.

Jede Glocke ist fein abgestimmt auf den Ort, an dem sie erklingen wird © Jan Bosch
In fast alle Länder der Welt haben die Rinckers ihre
berühmten Glocken schon geliefert. „Trotz aller technischer Entwicklung gibt es bis heute kein besseres Verfahren als die 1.000 Jahre alte Technik des Lehmschalenformgusses, an dem wir festgehalten haben“, erklärt Fritz Georg Rincker. In Sinn wird sie mit modernen Verfahren wie dem 3D-Druck ergänzt und in die Zukunft
geführt.
Besondere Empfehlung:
Einmal selbst eine imposante Glocke zum Tönen bringen? Das geht in der Glockenwelt auf Burg Greifenstein, die die bedeutendste Glockensammlung Europas beherbergt.

Odenwald
Kochkäs nach Oma Katrins Rezept
Das Geheimnis der Odenwälder Kochkäserei bringt Carina Schmidt mit einem einfachen Satz auf den Punkt: „Wir stellen nur das her, was wir selbst mit Freude essen würden!“ Verwendet werden in der Käserei, die Carina heute gemeinsam mit ihrem Vater Frank Rettig führt, ausschließlich die besten Zutaten.

Echtes Handwerk, natürliche Zutaten: So entsteht der Hausmacher Kochkäs© Odenwälder Kochkäserei
Oma Katrin vererbte ihrem Enkel Frank das Familienrezept. Bis heute wird die sahnig-milde Spezialität nach mehr als hundertjähriger Tradition handwerklich hergestellt: Magerquark, mit Sahne und Butter verfeinert, im Topf erhitzt und cremig gerührt. Klassisch schmeckt sie auf Bauernbrot mit Butter, doch auch das Kochkäs-Schnitzel ist aus dem Odenwald nicht wegzudenken.
Carinas Empfehlung:
Traditionelle Odenwälder Küche, natürlich hausgemacht und mit vielen Kochkäs-Gerichten, gibt es in der Käsestube am Teichgarten gleich neben der Käserei in Fürth. Im Sommer mit idyllischer Terrasse!

Spessart
Wie altes Holz zu neuem Leben erwacht
„Handwerk bedeutet für mich, wirklich mit den Händen zu arbeiten“, sagt Werner Leitzgen. Schweres Werkzeug findet sich daher in seiner Werkstatt auf dem Scheffehof bei Birstein kaum. Dafür umso mehr Holz: In seinen Scheunen lagern bis zu 500 Jahre alte Eichenbalken, die der 65-Jährige bei Abrissen von alten Häusern oder Scheunen erwirbt.

Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Werner auf dem Scheffehof in Osthessen © Spessart Tourismus und Marketing GmbH
Diese charaktervollen Hölzer bearbeitet er mit viel Hingabe und handwerklichem Geschick. Lange Zeit sanierte der gelernte Zimmermann als Restaurator historische Häuser in den Fachwerkstädten der Region. Heute fertigt er aus altem Holz beispielsweise Hocker, Tische oder Bänke. Sein Wissen über die traditionelle Holzbearbeitung gibt er auf seinem Hof auch in Workshops und Kursen weiter.
Werners Empfehlung:
Ein Ausflug auf die Herchenhainer Höhe in der Region Vogelsberg. Von 733 Metern Höhe reicht der Blick an klaren Tagen bis zur Skyline von Frankfurt!



